Grabsteine, Steine für die Lebenden?

Unsere Bestattungs- und Trauerkultur hat sich verändert. Die Gräber werden oftmals mit den günstigsten Grabsteinen bestückt, die der chinesische Markt hergibt. Die Körper unserer Verstorbenen werden aus Kostengründen in Polen verbrannt und die Trauer sollte man nach spätestens sechs Wochen wieder im Griff haben.

Geht man aber über unsere alten Friedhöfe, stößt man auf wunderschöne und aufwändige Grabsteine und Denkmäler, die davon zeugen, dass es einmal wichtig war, unseren Toten die letzte Ruhe angemessen zu gestalten. Ebenso ist es mit unserer Trauerkultur. Auf Dörfern ist es noch so, dass den Trauernden zumindest das Trauerjahr eingeräumt wird. In besonders schweren Trauerfällen reicht das bei Weitem nicht, doch ist es besser als gezwungen zu sein, nach wenigen Wochen wieder so zu funktionieren, als wäre alles wie immer.

Es ist keineswegs alles wie immer. Die Welt hat sich manchmal sogar schlagartig verändert. Dies gilt es zu begreifen, zu verstehen und ins eigene Leben zu integrieren. Um besser begreifen zu können, kann ein Grabstein sehr hilfreich sein. Er ist fest und schwer, hält Stürmen stand und ist für die Ewigkeit gemacht. Genau das, was man für den geliebten Menschen, den man verloren hat, oftmals empfindet: die Liebe ist für ewig.

Matthias Heinz, Bildhauer und Steinmetz in Berlin erzählt mir von den Menschen, die zu ihm kommen, weil sie merken, dass ein Grabstein, der von der „Stange“ zu haben ist, nicht dem Verstorbenen und auch nicht den Hinterbliebenen entspricht. Er kann die Verbindung zum Verstorbenen nicht in dem Maß widerspiegeln, wie es ein individuell gefertigter Grabstein tun kann. „Es ist mir ganz wichtig, Geschichten über den Verstorbenen zu hören und zu erfahren, was für ihn von Bedeutung war. Ich spüre den Gefühlen meiner Kunden nach, wenn sie über ihren verstorbenen Angehörigen erzählen und setze diese Emotionen in meiner Arbeit mit dem Grabstein um“, so Matthias Heinz über sein Schaffen.

Für eine Witwe beispielsweise ist es kaum zu bewältigen, eine Menge von schweren Entscheidungen in kurzer Abfolge zu treffen, während sie aber eigentlich noch unter Schock steht. Sie weiß noch nicht einmal wie ihr nächster Tag aussieht, soll aber aus dem Stand die richtige Entscheidung für einen Grabstein treffen, der für die Ewigkeit sein soll.

Ganz anders läuft das ab, wenn man Herrn Heinz beauftragt. Hier stehen der Verstorbene und seine Angehörigen im Vordergrund und Mittelpunkt sowie der Prozess der aus einem Stein einen Grabstein werden lässt. Denksteine nennt Matthias Heinz seine Werke. Sie brauchen Zeit und Aufmerksamkeit. Er hört genau hin, damit er helfen kann, das richtige Material, Motiv und die passende Schrift zu wählen. Bei jeder Stufe der Entstehung können die Kunden in seinem Atelier vorbei kommen.

Als Trauerbegleiterin halte ich diese Vorgehensweise für eine gute Unterstützung für die Trauerarbeit. Der Tod kommt oft überraschend und ungewollt über einen. Das Leben gerät

unkontrolliert aus den Fugen. Umso wichtiger ist es, wieder ein kleines Stück an Selbstbestimmung zurück zu erobern. Angefangen mit der Gestaltung der Beerdigung und des Grabsteines. Da man in dieser Zeit oft verunsichert und angeschlagen ist, braucht man dazu einfühlsame und erfahrene Menschen wie Matthias Heinz.

Kontakt: Matthias Heinz, Osram Höfe, Oudenarder Straße 16 – 20, 13347 Berlin, Tel: 030 455 15 19, 030 68 59 81 98, Mail: info@denkstein.eu, Web: www.denkstein.org

Kontakt: Eva Terhorst, Jagowstraße 18, 10555 Berlin, Tel: 030 399 065 58, Mail: info@trauerbegleiter.org, Web: www.trauerbegleiter.org

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