Mein Kind ist vor mir gestorben

Trotz der relativ niedrigen Kindersterblichkeit sterben in Deutschland jährlich ca. 13.400 Kinder bis zu ihrem 14. Lebensjahr, Abtreibungen nicht mitgezählt. Davon sind ca. 2.700 Fälle „Stille Geburten“ (das Kind wird tot geboren), ca. 1.400 Säuglinge sterben in der ersten Woche, ca. 1.900 Kinder schaffen den ersten Monat nicht und ca. 2.900 Kinder versterben noch vor ihrem ersten Geburtstag, ca. 4.500 überleben ihre Kindheit (bis 14 Jahre) nicht. Das sind nur die Zahlen eines Jahres und unseres Landes. Versuchen wir, uns das einmal richtig vorzustellen, lässt es uns erschaudern, um so mehr, wenn wir darüber nachdenken, wie viele „verwaiste Eltern“ es auf der ganzen Welt geben mag. Ganz besonders in Ländern, in denen die Kindersterblichkeitsrate wesentlich höher liegt als bei uns.

In der Trauerbegleitung bemühen wir uns, Trauer nicht zu vergleichen und nicht den einen Verlust über den anderen zu stellen. Dennoch denke ich, sind wir uns alle einig, dass der Tod eines Kindes für Eltern den größten vorstellbaren Schmerz bedeutet. Für manche ist dieser so groß, dass sie versuchen, ihrem Kind zu folgen, andere finden, wenn überhaupt, erst nach Jahren wieder ins „Leben“ zurück. Oft hängt das auch damit zusammen, dass sie sich nicht nur durch ihr Kind allein gelassen fühlen. Häufig höre ich in Erzählungen von Betroffenen, dass Nachbarn und Bekannte sogar die Straßenseite wechseln – aus Hilflosigkeit und um den Trauernden nicht in ihrem Schmerz begegnen zu müssen. Die Angst vor dem Tod in unserer Gesellschaft ist enorm. Die Angst vor dem Tod eines Kindes nahezu unaussprechlich.

Doch wie weiter leben, wenn das Leben einen dramatisch anderen Verlauf nimmt, als es geplant war? Nimmt man weiterhin teil, so zerreißt es einem das Herz, andere Eltern über ihre Kinder sprechen zu hören oder die Kinder der anderen unbeschwert spielen zu sehen. Möchten Freunde und Bekannte Rücksicht auf diesen Schmerz nehmen, trauen sie sich bei Zusammenkünften bald kaum mehr, über das ungetrübte Familienleben zu sprechen. Es dauert meist nicht lange, bis aus Befangenheit Einladungen und Besuche ausbleiben, ja sogar jeglicher Kontakt vermieden wird.

Eine ausweglose Situation scheint sich über alle aus zu breiten. Am meisten betroffen sind natürlich die verwaisten Eltern. Für sie ist es elementar, ihr Kind lebendig zu halten, indem sie sich an die vielen kleinen Erlebnisse mit ihm erinnern und sich vorstellen, wie es wohl gewesen wäre, wenn es noch leben würde. Sie bleiben in Verbindung mit ihren Kindern. Das zarte Band, das sie verbindet, erweist sich als wesentlich stärker als erwartet. Auch damit gilt es zu lernen, umzugehen.

Neben der Erkenntnis wie wichtig es ist, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen, steigt der Trend, sich Hilfe in einschlägigen Internetforen und in Trauergruppen zu suchen. Hier findet man Menschen, die wissen, was man durchmacht und wie man sich fühlt. Erinnerungen und Erlebnisse können ausgetauscht werden, ohne das Gegenüber zu belasten. Der Schmerz darf gezeigt werden. Er wird geteilt, man verleiht ihm Ausdruck, er bekommt einen Platz und erfährt Anerkennung. Das sind die wichtigsten Aspekte für die Begleitung von verwaisten Eltern – sie dürfen über ihre Situation ungehemmt sprechen und müssen sich nicht mehr damit verstecken.

Der Bundesverband Verwaiste Eltern e.V. macht viele Angebote: www.veid.de. Hier gibt es auch eine regionale Unterteilung. Denjenigen, für die kein passendes Angebot in der eigenen Region dabei ist, biete ich ein Online-Trauerseminar für verwaiste Eltern an, das überregional greift.

Kontakt: Eva Terhorst, info@trauerbegleiter.org, Tel: 030 399 065 58, www.trauerbegleiter.org

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