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Buchneuerscheinung: „Trauern, wenn Mutter oder Vater sterben – Ich bewahre alles in meinem Herzen“

download-2Wenn die Mutter oder der Vater stirbt, bedeutet dies eine große Zäsur im Leben der Tochter oder des Sohnes: Es schmerzt und löst vielfältige verwirrende Gefühle aus. Plötzlich kommt uns Vieles in den Sinn, was wir gerne noch gefragt oder noch einmal mit der Mutter oder dem Vater erlebt hätten. Damit leben zu lernen braucht Zeit und Geduld. Eva Terhorst zeigt, wie die Liebe und Gefühle zu den Eltern auch nach deren Tod in das Leben integriert werden können. Die Trauerbegleiterin bietet konkreten Rat, hilfreiche

 

Affirmationen und geführte Imaginationen. So können Töchter und Söhne den eigenen Weg der Trauer finden, der tröstet und heilt.

„Tiefe Fragen bewegen uns, wenn wir Mutter oder Vater verlieren. Jede Tochter, jeder Sohn geht anders damit um und jedes „Kind“ hat ein anderes Verhältnis zu seinen Eltern. So gibt es keinen fertig angelegten Pfad, dem wir folgen können, wenn wir den Tod der Eltern betrauern; wir sind gezwungen, eigene Wege zu gehen, und oft stolpern und verzagen wir dabei. Die Mutter oder der Vater, der Mensch, dem wir vertrauten, dem wir unser Herz ausschütten und den wir um Rat fragen konnten, ist nicht mehr da. Selbst wenn der Verlust eines Elternteils und irgendwann beider Eltern erst im Erwachsenenalter eintritt, werden wir wie nie zuvor in unserem Leben auf uns selbst zurückgeworfen. Ob man tatsächlich das Gefühl hatte, den Eltern alles zu bedeuten, oder ob man dieses Gefühl niemals haben durfte, in der Trauer um ein Elternteil kommt meist zweierlei zusammen: Die Trauer um den Verlust und die Trauer um das nicht Erlebte, um das, was nun nicht mehr erlebt werden kann. Der Schmerz ist groß. Damit leben zu lernen braucht Zeit und Geduld, denn neben der großen Trauer müssen wir uns neu ordnen und definieren. Es gilt, den eigenen Weg der Trauer zu finden, der tröstet und heilt.“ 

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Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich Folge 2: Warum zögern Menschen so lange, bis sie sich Hilfe holen?

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Da der erste Dialog zwischen Thomas Achenbach (Trauerbegleiter in Osnabrück und Blogger) und mir (Trauerbegleiterin, Buchautorin und Bloggerin) so gut bei den LeserInnen angekommen ist, kommt hier unser zweiter Dialog:

Warum zögern Menschen so lange, bis sie sich Hilfe holen?

Lieber Thomas, gerade heute wurde ich wieder von einer trauernden Witwe gefragt, ob es nicht nach 5 Wochen nach dem Tod ihres Mannes zu früh wäre, sich Hilfe zu holen. Es sei doch bestimmt besser, dass alles irgendwie alleine zu bewältigen, obwohl sie das Gefühl hat, es würde ihr immer schlechter gehen.

Einige meiner Klienten berichten mir, dass sie von ihrem Umfeld teilweise kritisiert werden, wenn sie erzählen, dass sie sich durch eine Trauerbegleitung Hilfe holen. Wahrscheinlich kannst du dir vorstellen, dass dann sogar mir für einen Augenblick die Spucke weg bleibt, wenn ich so etwas höre. Für alles gibt es Beratung und Profis, von Computern über Kücheneinrichtungen bis zu Typberatungen. Dafür wird ohne zu zögern Zeit und Geld investiert. Sobald es aber darum geht, sich Hilfe zu holen für das Schlimmste, das einem im Leben widerfahren kann, wird gezögert, diskutiert, ausgeredet und abgewertet. Eine Zeit lang habe ich angenommen, dass das Umfeld sich entlastet und beruhigt fühlt, wenn sich Betroffene Hilfe holen. Ich bin da ziemlich ratlos, woher diese Haltung wohl kommen könnte, dass Trauer keine Begleitung und Unterstützung benötigt, selbst, wenn man kaum noch ein und aus und wohin mit seinen bedrückenden Gefühlen in seiner Verzweiflung weiß. Vielleicht glauben viele, dass sich Hilfe in der Trauerzeit zu holen bedeutet, dass man psychisch labil oder gestört ist. Und deshalb glaube ich, dass wir gar nicht genug betonen können, dass Trauer keine psychische Erkrankung und sich Hilfe bei Schwierigkeiten zu holen, kein Zeichen für Schwäche ist sondern durchaus ein Zeichen von Stärke sein kann. Was meinst du? Liebe Grüße aus Berlin, Eva

Liebe Eva, das ist ein wichtiges Thema, was Du da ansprichst. Auf der Messe „Leben und Tod“ in 2017 hat die Bestatterin Barbara Rolf den Begriff „Fluch der Tapferkeit“ geprägt. Wer als Kind oft zu hören bekam „Ist nicht so schlimm“ oder „Das schaffst Du schon“ oder, am schlimmsten, „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, der setzt sich diese inneren Marker als unbewusste Botschaften in die Seele. Ich glaube tatsächlich, dass uns diese frühkindlichen Prägungen im Erwachsenenleben viel stärker beeinflussen, als uns das lieb ist. Reines Bauchgefühl, ich bin kein Psychologe, ich kenne keine Forschungen (Ich werde darüber demnächst noch bloggen, der Text ist derzeit in Arbeit. Hier also in aller Kürze eine Verdichtung des Kommenden)… Und wenn dann mal jemand stirbt…. Dann kommst Du aus diesen alten Mustern so ohne Weiteres nicht wieder raus. Was noch erschwerend hinzukommt: Trauer wird nicht ernst genug genommen. Kaum einer hat das richtige Bild von Trauer im Kopf. Wie denn auch? In Fernsehserien wird ständig gestorben, auf die spektakulärsten Arten – aber dass einer der Angehörigen an seiner Trauer darüber zerbricht, wird leider nie gezeigt. Dabei wäre das normal. Sowas kommt vor. Das gehört dazu. Und so herrscht dann, so befürchte ich, sogar bei Trauernden selbst so eine Meinung vor wie: Alles nicht so schlimm, irgendwie werde ich das doch wohl schaffen… das „bisschen“ Trauer… Oder übertreibe ich da, was meinst Du? Herzliche Grüße, Thomas

Nein, lieber Thomas, da übertreibst du überhaupt nicht. Einer meiner wichtigsten Sätze in meiner Begleitung ist: „Ja, es ist so schlimm, wie du es empfindest.“ (Egal was andere versuchen, dir einzureden). Eine meiner Klientinnen saß mal bei mir und sagte: „Jetzt ist mein Mann schon seit 7 Wochen tot und ich weine immer noch.“ Ich habe ihr damals gesagt, dass sie wohl noch das gesamte erste Jahr unglaublich viel weinen wird. Davon abgesehen, dass diese Heulerei enorm anstrengend ist und wir uns alle bis dahin kaum vorstellen konnten, dass wir überhaupt so viel weinen können, ist es ein Zustand, der natürlich nicht alle Menschen so hart trifft. Manche schaffen es, sich Hilfe zu holen und manche versuchen, es mit sich alleine aus zu machen. Was ich aber so besonders an unserer Arbeit finde, ist, dass die Leute genau dann so schwer trauern, wenn sie durch sehr große Liebe mit dem Verstorbenen verbunden waren bzw. immer noch sind und verzweifelt einen Weg suchen, wie sie diese Liebe irgendwie weiter leben können. Das bedeutet, dass es Verluste gibt, die man leichter verkraftet und welche, die kaum überwindbar sind. Dadurch sind wir alle dazu aufgerufen, die einzelnen Situationen ganz individuell zu betrachten und zu würdigen, statt von der einen Art des Umgangs damit auf die andere zu schließen und die falschen Erwartungen daran zu knüpfen. Es ist eben nicht nur so, dass jeder anders trauert, sondern dass auch noch jeder anders liebt und das jede Beziehung auch noch ihre ganz besondere Eigendynamik hat. Wir können es doch schon in Familien sehen, in denen der Vater oder die Mutter stirbt und die Geschwister komplett unterschiedlich darauf reagieren. Daher plädiere ich auch in Sachen Trauer für mehr Toleranz, Offenheit und auch Mut das zu leben, was man fühlt und nicht das, was einem beigebracht und eingeredet wird. Also machs gut und liebe Grüße, Eva

Liebe Eva, ja, das wird in Deinen Zeilen spürbar, dass es Dich da gepackt hat – das scheint ein Thema zu sein, bei dem Du an Deinem ganz eigenen Grundwasser angekommen bist…. Womit wir beim Thema Selbstachtsamkeit gelandet wären, aber das besprechen wir besser später mal. Was beim Lesen Deiner Zeilen in mir wach geworden ist: Diese Angst, die Liebe zu dem verstorbenen Menschen irgendwie verlieren zu können, das ist wirklich oft ein Thema. Oder, noch viel schlimmer, die Angst davor, dass die Erinnerungen an den gestorbenen Menschen verblassen könnten. Oder sogar verschwinden könnten. Deswegen trifft es Menschen in einer Verlustkrise ja auch so hart, wenn ihnen andere Menschen raten, sie sollten die verstorbenen Menschen jetzt einmal „loslassen“. Aber das geht ja gar nicht – und darum geht es ja auch gar nicht. Ich zitiere an dieser Stelle immer gerne Roland Kachler, der gesagt hat: Es geht nicht ums Loslassen, es geht darum, der Liebe zum gestorbenen Menschen eine andere Form zu geben. Es geht darum, den Verstorbenen in einer neuen, transformierten Form im eigenen Leben, in der eigenen Biographie verankern zu können – aber, und das ist das Wichtige: So verlässlich dort verankern zu können, dass ich mich getrost darauf verlassen kann, diesen Menschen ebendort, an diesem neuen inneren Platz, immer wiederfinden zu können. Das ist es, glaube ich, was man als Trauerweg beschreiben könnte. Und an die Stelle des „Loslassens“ muss ein sanftes Begreifen treten: Ja, es ist wahr, der Mensch ist wirklich gestorben… Das ist natürlich, wie alles, leichter gesagt als getan. Aber das wird Dir in Deiner Arbeit mit Trauernden auch immer wieder begegnen, oder? Was sagst Du Ihnen dann? Und wie siehst Du das überhaupt? Herzliche Grüße, Thomas

Lieber Thomas, dadurch dass ich bereits meine Mutter durch Suizid und meinen Lebenspartner Tom durch Krebs verloren habe, kann ich Trauernden versichern, dass es funktioniert, dass diese Menschen, die einem einst so wichtig waren, immer wichtig bleiben werden und dürfen. Tatsächlich leben sie weiter in meinem Herzen. Wir haben auf diese Weise die Gelegenheit festzustellen, wie groß unser Herz eigentlich ist und dass dort auch noch ordentlich viel mehr Platz ist, um auch noch mehr Lebende dort zu verorten. Unser Herz ist eben ein Muskel und wenn wir diesen trainieren, dann wächst er und wird stark. Das ist ein gutes Gefühl auch wenn der Verlust genau dort in unserem Herzen unendlich weh tut. Aber da ich weiter oben den Suizid meiner Mutter angesprochen habe: Übermorgen, am 10. September ist Welt-Suizid-Präventionstag. Eines meiner Ziele ist es, dem Thema Suizid in unserer Gesellschaft zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, daher habe ich das Buch: „Ich konnte nichts für dich tun: Trauern und Weiterleben nach einem Verlust durch einen Suizid“ geschrieben. Es ist mir wichtig, dass wir begreifen, dass es viel mehr Menschen gibt, die unter Depressionen leiden, als wir es uns vorstellen können. Viele Betroffene merken es oft noch nicht einmal selbst, dass sie diese Krankheit haben und es wird unterschätzt, wie tödlich diese sein kann. Daher kann Aufklärung als Prävention sehr entscheidend sein. Beispielsweise bin ich heute beim rbb in die Sendung zibb eingeladen worden, um über dieses Thema zu sprechen. Dass über den Welt-Suizid-Präventionstag immer mehr in den Medien berichtet wird, führt hoffentlich dazu, das Menschen, denen es seelisch nicht gut geht, sich aufmachen, um sich Hilfe zu holen. Auch hier, genau wie beim Thema Trauer, statt sich Hilfe zu holen, zögern die Menschen oft viel zu lang und schlagen sich ganz alleine mit schwierigen Situationen und Gefühlen durch die Welt und werden dabei immer einsamer und verstummen immer mehr. Das ist nicht gut. Für niemanden. In diesem Sinne Grüße ich dich. Eva

 

Die 30 Tage „Nicht-Jammern-Challenge“

RIMG0006 (14)In meinem aktuellen Begleitbrief habe ich euch das Drei-Wochen-Achtsamkeits-Seminar von Roland Kopp-Wichmann vorgestellt.  Nun hat Anfang August Kopp-Wichmann die 30 Tage „Nicht-Jammern-Challenge“ auf seinem Blog gestartet. Dort erklärt er genau, was Jammern ist, was es bewirkt und wie diese Challenge funktioniert. Ein paar Tipps und Kniffe verrät er natürlich auch novh. Also ich mache da mit und führe ab sofort eine Strichliste für jede Jammerei, die mir trotz allerbester Vorsätze rausrutscht. Jeden Abend veröffentliche ist das auf diesem Post. Das sieht dann ungefähr gut aus:                         Sonntag, 13. August 2017: IIII IIII II . Mal sehen, ob das dann ein Tag war, an dem es ehr gut oder schlecht gelaufen ist. Ich muss überhaupt erst Mal herausfinden, ob ich wirklich so positiv bin und spreche, wie ich mich selbst einschätze.

Schreibt mir hier unten in der Kommentarfunktion, ob ihr auch mitmacht und wie es euch damit geht. Ick freu mir!

Meinen Begleitbrief könnt ihr hier kostenfrei abonnieren.

Start der neuen Serie: Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich Folge 1: Wenn die Sehnsucht zu groß wird

RIMG0002.jpgNeulich stieß ich auf einen Text von Thomas Achenbach, einem Trauerbegleiter aus Osnabrück. Er hatte einen Artikel über den Trauer-Chat auf Trauer.de geschrieben. Mir gefiel sein Schreibstil gleich so gut, dass ich ihm das mitteilen musste. Es ergab sich daraus, doch eine Art Briefwechsel auf unseren Blogs zu beginnen. Thomas´Idee hat bei uns beiden sofort einen Schreib- und Austauschfluss ausgelöst, von dem ihr heute das erste Ergebnis lesen dürft: Es geht uns um das schwierige Thema, dass bei vielen Trauernden irgendwann der Punkt kommt, dass die Sehnsucht so groß wird, dass sie nahe zu alles tun würden, um bei ihrem geliebten Menschen zu sein. Weiter unten oder auch auf Thomas Blog: Trauer ist Leben könnt ihr nachlesen wie wir uns im Dialog über unsere Erfahrungen aus unserer Praxis darüber austauschen. Besucht unbedingt seinen Blog, denn auch dort wird wieder einmal deutlich wie vielseitig das Thema Trauer sein kann. Trauer gehört zum Leben dazu – daher ist sie lebendig. Und weil Trauer lebendig ist, wünschen wir uns, dass ihr die Kommentarfunktion nutzt und in unseren Austausch mit euren eigenen Erfahrungen und Meinungen einsteigt.

Aber erst möchte ich euch Thomas Achenbach kurz vorstellen. Mich kennt ihr ja schon.

Thomas Achenbach-8-1.jpgThomas Achenbach Jahrgang 1975, Trauerblogger und Kulturblogger aus Osnabrück, zertifizierter Trauerbegleiter (große Basisqualifizierung gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung, beschäftigt sich schon lange mit den Themen Trauer, Verlust, Tod, Palliativmedizin und Trauerbegleitung allgemein. Er ist auf die Themen Männertrauer und Trauer im betrieblichen und beruflichen Kontext spezialisiert. Achenbach arbeitet hauptberuflich als Redaktionsleiter eines Anzeigenblattes von NOZ Medien („Osnabrücker Nachrichten“) und nebenberuflich als Gast-Dozent der Hochschule Osnabrück.

Und jetzt geht es weiter mit unserem ersten Dialog:

Wenn die Sehnsucht zu groß wird

Lieber Thomas, heute hatte ich das Thema: Was mache ich, wenn meine Sehnsucht so groß wird, dass ich meinem verstorbenen Partner hinterhergehen möchte? Ich merke, dass das bei fast allen Menschen irgendwann einmal Thema wird, wenn der Partner oder das Kind gestorben ist. Meistens spreche ich das Thema bei meinen Klienten von selbst an und kann feststellen, dass sie dann fast erleichtert sind, wenn sie frei darüber sprechen können, ohne dafür verurteilt zu werden. Es hilft ihnen auch, wenn ich ihnen dann sage, dass das normal ist und zur Trauer dazu gehört. Eine Phase, die wieder vorbei geht. Dann wissen sie, wie sie diesen Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen, einordnen sollen und fühlen sich ein wenig entlastet. Wie gehst du auf dieses Thema bei deiner Arbeit ein? Liebe Grüße Eva

Liebe Eva, da muss ich Dir ein dickes Kompliment machen – das Thema ganz aktiv von mir aus anzusprechen, habe ich tatsächlich noch nicht getan. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass es bei den Trauernden ein großes Bedürfnis geben kann, darüber zu sprechen. Und ich kann die Motivation, die hinter diesem Wunsch des Nachsterbenwollens steht, sehr gut nachvollziehen – letztlich sind das ja urromantische Motive. Die Vision, man wäre dann vielleicht irgendwie zusammen, in einem gleichen, wie auch immer gearteten Raum… Aber, zugegeben, das Thema macht natürlich auch mir als Begleiter Angst: Wenn ich im Gespräch das Gefühl hätte, da ist einer gerade sehr, sehr ernsthaft daran interessiert, sich aus lauter Trauer zu suizideren, dann wäre ich mit meinem Latein am Ende. Da hilft dann nur: Ab ins Auto und zusammen zum Arzt oder zur psychologischen Klinik fahren… – einliefern, Verantwortung abgeben. Hast Du das schon mal erlebt?

Lieber Thomas, zum Glück ist es mir noch nie passiert, dass einer meiner Klienten seinem geliebten Menschen in den Tod gefolgt ist. Mir macht aber die Tendenz dorthin wenig Angst, weil ich sie nach dem Tod meiner Mutter selbst erlebt habe. Geholfen hat mir damals, dass ich die klare Vorstellung hatte, dass meine Mutter mir sagen würde, dass meine Zeit noch nicht gekommen sei und sie jetzt noch nichts mit mir im „Jenseits“ anfangen könne. Wir können ja auch gar nicht sicher sein, dass wir wirklich bei unserem geliebten Menschen landen würden, wenn wir uns zu so einem drastischen Schritt entscheiden. Mit meinen Klienten, die teilweise sehr mit diesem Gedanken beschäftigt sind, vereinbare ich, dass sie nichts in dieser Hinsicht unternehmen dürfen, bevor sie nicht mit mir gesprochen haben. Natürlich bietet das keine wirkliche Sicherheit, aber ich bemerke, dass diese Vereinbarung für sie durchaus eine Hürde bzw. Sicherheit darstellt. Ich werde so zu einer Art Instanz. Auch wirkt es gut, dass sie spüren, dass es mir wichtig ist, dass sie diese schwierige Phase überleben und ich ihnen dabei helfe. In diesem Moment fühlen sie sich dann einfach nicht mehr ganz so alleine wie zuvor. Aber im Ernstfall ist es genau wie du schreibst, dann ab ins Auto und zu einer Klinik mit entsprechender Abteilung. Liebe Grüße Eva

Liebe Eva, ich freue mich sehr für Dich, dass Du damit so gute Erfahrungen gemacht hast. Das ist ja durchaus mutig, aber Du wirst da sicher das Gespür für haben, bei wem eine solche Verabredung gut aufgehoben ist und wie weit Du da gehen kannst. Ich kann Dir allerdings nur beipflichten: Es aussprechen zu dürfen, einfach  mal darüber sprechen zu können, das ist für viele schon die erste und oft auch wichtigste Intervention. Manchmal reicht das dann auch schon. Aber nicht für alle. Deswegen sollten wir auch unbedingt noch schreiben: Wer wirklich und ernsthaft an einen Suizid denkt und diese Gedanken nicht loswird, findet gute und sogar anonyme Hilfe im Internet oder am Telefon: Kostenlose Telefonseelsorge: 0800/1110111 – anonyme Mailberatung über Internetseite: www.telefonseelsorge.de. Übrigens betonen alle, die mit Suizidprävention beschäftigt sind, immer wieder: Die meisten Suizide geschehen aus eigentlich heilbaren, depressiven Prozessen heraus! Ich finde, diese Hilfsangebote sollten wir unbedingt nochmal erwähnen – Dir, liebe Eva, sende ich liebe Grüße, Thomas

Lieber Thomas, das sehe ich so wie du, möchte noch ein wenig mehr unterscheiden, denn Trauer ist keine psychische Erkrankung auch wenn es passieren kann, dass man nach dem Tod eines geliebten Menschen in eine Art reaktive Depression oder Anpassungsstörung geraten kann. Die unterscheidet sich aber deutlich von einer waschechten Depression, deren Ursache man meistens nicht nachvollziehen kann. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist auch, dass eine reaktive Depression oder Anpassungsstörung nach einer gewissen Zeit wieder verschwindet und nicht unbedingt medikamentös behandelt werden muss. Der Begriff Anpassungsstörung ist da beinahe selbsterklärend. Es braucht einfach seine Zeit, bis man sich an die neue Situation angepasst hat. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um eine Situation handelt, auf die man keinen Einfluss hatte. Man konnte den Tod nicht verhindern, bleibt ungefragt ohne den geliebten Menschen zurück und muss unter Umständen sein Leben in fast allen Punkten neu organisieren und umstrukturieren. Das braucht Zeit und Kraft. Die Motivation ohne den Verstorbenen weiter zu leben, muss sich leider oft hart erarbeitet werden. In meinem Buch „Ich konnte nichts für dich tun: Trauern und Weiterleben nach einem Verlust durch Suizid“ gehe ich genauer auf die Unterscheidung Depression, reaktive Depression und Anpassungsstörung ein. Liebe Grüße Eva

In Teil 2 unserer Serie: „Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich“ wird es um den Begriff Trauerbegleitung gehen. Was ist das eigentlich? Wie funktioniert das? Und kann das überhaupt helfen? Wenn ja, dann wie?____________________________________________________________________________________________

„Zwei Trauerbegleiter unterhalten sich“: Hier tauschen sich die beiden Trauerbegleiter Thomas und Eva über die Themen ihrer Arbeit aus. Das soll zu einem besseren Verständnis beitragen, warum Trauerbegleitung wichtig ist und euch helfen, besser zu verstehen, was ihr gerade durch macht, wenn ihr einen geliebten Menschen verloren habt. Auch für Angehörige von Trauernden kann dieser Dialog hilfreich sein. Denn es ist manchmal nicht so leicht nachzuvollziehen, was in jemandem vor sich geht, wenn er trauert. So kommt es schnell zu Missverständnissen und gut gemeinten Ratschlägen, die oft das Gegenteil vom Beabsichtigten auslösen. Sehr, sehr gerne können Trauernde, Angehörige, Trauerbegleiter und alle, die mit dem Thema zu tun haben, mit ihren Kommentaren dazu beitragen, dass dieser Dialog lebendig und hilfreich sein kann!

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Trauer ist Leben verlost Trauertagebücher

Trauerblog_Achenbach_Eva_Terhorst_Buch_02.jpgDer Blog: trauer-ist-leben.blogspot.de von Thomas Achenbach verabschiedet sich mit der Verlosung von drei meiner Trauertagebücher in die Sommerpause. Das heißt, dass die Verlosung durch den ganzen Juli hindurch läuft. Einerseits bedeutet es, dass ihr Geduld braucht, um abzuwarten ob ihr zu den Gewinnern zählt, andererseits habt ihr für eine lange Zeit die Chance mitzumachen. Aber lest selbst.

Mit Thomas habe ich für nach der Sommerpause kleine Dialoge über die wichtigen Themen, der Trauer auf unseren Blogs geplant, die für alle zu lesen sein werden. Wenn es Themen gibt, die ihr gerne mal von uns besprochen haben möchtet, lasst es uns per Mail oder per Kommentar sehr gerne wissen.

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Thomas Achenbach, Jahrgang 1975, Trauerblogger und Kulturblogger aus Osnabrück, zertifizierter Trauerbegleiter (große Basisqualifizierung gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung, beschäftigt sich schon lange mit den Themen Trauer, Verlust, Tod, Palliativmedizin und Trauerbegleitung allgemein. Auf seinem Blog sollen Trauernde Impulse und Gedankenanregungen für ihren Weg bekommen.

Thomas Achenbach ist auf die Themen Männertrauer und Trauer im betrieblichen und beruflichen Kontext spezialisiert. Achenbach arbeitet hauptberuflich als Redaktionsleiter eines Anzeigenblattes von NOZ Medien („Osnabrücker Nachrichten“) und nebenberuflich als Gast-Dozent der Hochschule Osnabrück.