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Länger anhaltende Trauer ist keine Krankheit

Die WHO will eine länger als üblich anhaltende Trauer in den Katalog psychischer Störungen aufnehmen. Dagegen positioniert sich der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) entschieden. Trauer solle nicht als Krankheit missverstanden werden.

Trauer braucht Zeit

Trauer ist keine psychische Störung, sagt der DHPV

Trauer ist ein Prozess, der bei jedem Menschen unterschiedlich viel Zeit benötigt. Manchen Menschen gelingt es schon wenige Monate nach dem Tod eines geliebten Menschen, sich wieder dem Leben zuzuwenden, andere versinken über Jahre in tiefen Kummer, wenden sich von ihren Mitmenschen ab und sehen keinen Sinn mehr im Leben. Hilfe und Unterstützung kann jeder Mensch gebrauchen, der trauert. Dennoch ist Trauer normalerweise keine Krankheit, vielmehr ein wichtiger, auf Dauer heilsamer Prozess. Ob es sich allerdings bei einer besonders langanhaltenden Trauer um eine psychische Störung handelt, ist umstritten.

Trauer ist ein wichtiger Prozess

Derzeit wird die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation psychischer Störungen überarbeitet. In diesem Rahmen schlägt die Arbeitsgruppe der WHO für stressbezogene Störungen die Aufnahme der „anhaltenden Trauerstörung“ als eigenständige psychische Störung vor. Der Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) positioniert sich eindeutig dagegen.

Die Experten des DHPV befürchten, dass in Zukunft jede anhaltende Trauer als seelische Krankheit definiert wird. Die Bezeichnung „anhaltende Trauerstörung“ halten sie für irreführend, weil Trauerzeit sehr individuell und unterschiedlich sei. Durch Festlegungen von bestimmten Zeiten würden Prozesse der Trauer eingegrenzt und normiert werden. Zudem entstehen Störungen in diesen Prozessen nicht durch die Trauer an sich, sondern durch den Verlust einer nahen Bezugsperson, so die Vertreter der DHPV. Trauer hingegen habe heilende Kraft und könne beispielsweise dem Entstehen von Depressionen entgegenwirken.

Der Trauer Zeit geben

Professor Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV, erklärt: „Die unter dem Dach des DHPV organisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen und -dienste engagieren sich in vielen Städten und Gemeinden in der Begleitung trauernder Menschen, etwa in Trauer-Cafés, Trauergruppen oder auch durch Einzelbegleitungen. Gemeinsam treten wir dafür ein, der Trauer Zeit zu geben. Trauer ist unserem Verständnis nach eine natürliche Reaktion auf einen schweren Verlust. Sie ist notwendig, um mit dieser Situation umzugehen.“

Bei besonders schweren Verlusten, zum Beispiel beim Tod eines Kindes, sollte den betroffenen Menschen allerdings bei Bedarf eine ihnen entsprechende therapeutische Unterstützung ermöglicht werden. Auch andere Situationen, wie beispielsweise der Suizid eines Angehörigen, können zu „erschwerter Trauer“ führen. Hier benötigen die Betroffenen eine besondere Begleitung durch Personen, die für diese Aufgaben speziell geschult sind.

Der Artikel stammt von:  http://www.gesundheitsstadt-berlin.de/laenger-anhaltende-trauer-ist-keine-krankheit-10518/

Foto: © mario_vender – Fotolia.com

TV-Tipp: Menschen unter uns – Rendezvous auf dem Friedhof

Ein Friedhof ist nicht für die Toten, sondern für die Lebenden. Natürlich spielen die unter der Erde irgendwie auch eine Rolle, aber das Leben findet nun mal oberirdisch statt – und von diesem Leben erzählen die Geschichten, die die Autoren Ina Reuter und Marko Rösseler auf dem Kölner Südfriedhof gesammelt haben.

Dieser Zweiteiler wird am Sonntag, 26. Juni 2016 um 8.15 Uhr (Teil 1) und am Sonntag, 3. Juli 2016 (Teil 2) vom SWR wiederholt.

Wer nicht bis dahin warten möchte, kann die beiden Teile in der Mediathek bis zum 1. November 2016 sehen. Hier geht es zum Beitrag.

„Das Zimmer meines Bruders“ – wenn Geschwister trauern

Heute Abend, 37 Grad, ZDF um 22.15 Uhr:  Danach ist es für eine Woche in der Mediathek zu sehen.

Die Beziehung von Geschwistern ist meist innig und vertraut und bleibt ein ganzes Leben bestehen. Umso schlimmer, wenn der Bruder oder die Schwester stirbt. Wie lässt sich das verkraften? Wenn ein Kind stirbt, gelten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der anderen meist nur den Eltern. So groß ist ihr Verlust, so unermesslich ihr Schmerz, dass die große Trauer und Verzweiflung der Geschwister oft übersehen wird.

Abschied von Mau Mau

maumau-werbegrafik 2Ein Kinderbuch von Sophie Westarp das ich für sehr geeignet halte, um mit Kindern allgemein über das Thema Trauer zu sprechen und ganz wichtig: in persönlichen Trauersituationen das Buch  gemeinsam anzusehen und zu lesen. Die Bilder und Texte sind gleichsam einfach und berührend, sagen nicht zu viel, lassen aber auch nichts Wichtiges weg. Sie stoßen das Thema Trauer an, lassen aber genügend Raum, um den eigenen Platz für die Trauer zu finden.

Das Buch gibt es auf Deutsch, Französisch und als animiertes E-Book.

Hier der Klappentext: Max und seine Katze Maumau sind unzertrennlich. Eines Tages wird Maumau sehr krank. Als sie stirbt, ist Max untröstlich. Doch Maumau bleibt auch nach ihrem Tod noch an seiner Seite: Max trifft sie in Tagträumen und entdeckt ihre funkelnden Augen nachts am Sternenhimmel.
‚Abschied von Maumau‘ ist ein Bilderbuch für Menschen ab 5, das beim Verlust des geliebten Haustieres oder auch eines nahen Freundes Trost spendet und das Trauern einfühlsam begleitet.
Erhältlich als Paperback, 32 Seiten, ISBN 978-3-7392-2400-8, Preis: 12,99 € oder als Ebook für 4,99 €.

Hier könnt Ihr sie kaufen: