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TV-Tipp: Nachtcafé im SWR

Michael Steinbrecher bei der ersten Aufzeichnung des Nachtcafé.jpg

Sendung am 7. April 2017 um 22 Uhr

Leben mit der Schuld

„Wie konnte ich nur? Warum habe ich das getan? Wie kann ich das jemals wiedergutmachen?“ Schuldgefühle können sich wie ein dunkler Schatten über unsere Seele legen. Ein Unfall mit verheerenden Folgen, ein kalkuliertes Verbrechen oder auch eine Fehlentscheidung, die für Andere böse Konsequenzen hat.

Wer Schuld auf sich geladen hat, durchlebt oft unvorstellbares Leid. Die Zerrissenheit zwischen Selbstvorwürfen, Gewissensbissen und tiefem Schmerz kann uns förmlich auffressen. Selbst dann, wenn es rational überhaupt keine Verantwortung gibt. In diesem Gefühlsdilemma befinden sich auch Angehörige, die sich nach einem Suizid in der Familie immer wieder die Frage stellen: „Hätte ich das Unfassbare nicht doch verhindern können?“ Oder die Eltern eines Amokläufers, die sich lebenslang gegenseitig komplettes Erziehungsversagen vorwerfen.

Die einen malträtieren sich lebenslang mit Selbstvorwürfen, anderen gelingt es, sich das Geschehene zu verzeihen. Michael Steinbrecher spricht mit Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben, lässt Angehörige zu Wort kommen, die sich schuldig fühlen, obwohl sie keinerlei Mitschuld trifft, und redet mit Hinterbliebenen, die einen hohen Preis für die Schuld Anderer zahlen müssen.

Die Gäste:

Torsten Hartung

Torsten Hartung muss mit der Tatsache weiterleben, ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Schon früh bewegt er sich in kriminellen Kreisen, ist Kopf einer Autoschieberbande. Als es mit einem Bandenmitglied Ärger gibt, macht er kurzen Prozess: Hartung lockt ihn in einen Hinterhalt und zieht die Waffe. Im Gefängnis überkommen ihn erstmals Reuegefühle: „Gott hat mir vergeben. So konnte auch ich mir die Schuld vergeben, die ich auf mich geladen habe.“

Stefanie Giesselbach

Auch bei Stefanie Giesselbach klickten die Handschellen – am Flughafen von Chicago. 2008 war die junge Frau für ein Hamburger Handelshaus in den USA tätig. Und richtete sich nach den Anweisungen ihres Chefs. Ein fataler Fehler. Denn nicht er, sondern Stefanie Giesselbach musste für dubiose Zollgeschäfte büßen – unter härtesten Bedingungen in einem US- Frauengefängnis: „Mittlerweile ist mein Groll gegen meinen ehemaligen Arbeitgeber abgeklungen. Aber es gab Phasen, da kamen Hassgefühle auf.“

Ein Vater

Was habe ich nur falsch gemacht? Diese quälende Frage treibt einen Vater jeden Tag um. Zu seinen beiden Söhnen hatte der Immobilienmakler immer ein inniges Verhältnis, trotzdem kamen ihm seine Kinder abhanden. Beide schlossen sich dem IS an und gingen nach Syrien. Seitdem sucht er verzweifelt nach seinen Kindern, stets begleitet von Selbstvorwürfen: „Vielleicht war ich zu locker und kumpelhaft, nicht streng genug.“

Annette Meißner

Zermürbende Selbstvorwürfe kennt auch Annette Meißner. Zusätzlich war sie mit Schuldzuweisungen von Außenstehenden am Tod ihres Sohnes konfrontiert. Nach einem Streit nahm sich Enrico mit 19 Jahren das Leben: „Ich habe mir die Schuld an seinem Suizid gegeben. Ich konnte jedem verzeihen, nur mir selber nicht.“ Es hat lange gedauert, bis sie sich von ihren tiefsitzenden Schuldgefühlen befreien konnte.

Tina K.

Alleine zurück blieb auch Tina K. Ihr jüngerer Bruder Jonny war 2012 nachts in Berlin mit Freunden unterwegs, als er von sechs Schlägern angegriffen wurde. Ein banaler Anlass führte zu brutalen Prügelattacken, die für den 20-jährigen Schüler tödlich endeten. Verantwortung für den Tod von Jonny hat keiner der sechs Angeklagten übernommen, mittlerweile sind die jungen Männer wieder auf freiem Fuß. „Ich glaube nicht, dass sie je Reue empfunden haben“, so Tina K., die im Prozess als Nebenklägerin auftrat.

Angelika Kallwass

Die Gefühle von Hilfslosigkeit, Trauer und Wut kennt Angelika Kallwass aus ihrer täglichen Arbeit. Immer wieder hat Deutschlands bekannteste Psychologin mit traumatisierten Opfern und trauernden Angehörigen zu tun. Vergebung, aber auch das Bedürfnis des Täters nach Wiedergutmachung spielen bei ihren Gesprächen mit Klienten eine tragende Rolle. Die Erkenntnis der Psychotherapeutin: „Wer sich selbst verzeihen kann, ist glücklicher.“

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TV-Tipp: Scobel auf 3Sat, Donnerstag, 22. September 2016 um 21 Uhr

Nach dem Trauma
Die Behandlung von Betroffenen ist meist langwierig
Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 25 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge aufgrund von Kriegserlebnissen und Fluchterfahrungen traumatisiert sind. Die wenigsten Menschen sind in der Lage, aus eigener Kraft traumatische Erfahrungen zu verarbeiten. Und doch sind diese Menschen Teil unserer Gesellschaft.
Hier geht es zu weiteren Informationen. Für die, die den Beitrag verpasst haben, wird er noch einige Zeit in der 3Sat-Mediathek zur Verfügung stehen.

TV-Tipp: Bewusst leben

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Am Sonntag, 14. August  2016 läuft ab 0 Uhr die 13-teilige Serie „Bewusst leben – Psychologie für den Alltag mit George Pennington“ auf ARD-alpha.

Ich bin schon ganz gespannt darauf, denn die Serie wird im Ganzen hintereinanderweg ausgestrahlt. Die 13 Folgen sind 10 oder 15 Minuten lang und handeln vom Umgang mit uns selbst und anderen. Gerade in der Trauerzeit sind wir nachdenklicher und empfindlicher. Bei kleinen Alltagskonflikten fragen wir uns manchmal, wie konnte es dazu kommen und wie hätten wir besser damit umgehen können? Ich hoffe auf ein paar Erklärungen und Antworten.

Hier die Zusammenfassung des Senders: Wie sagt man Nein ohne den Andern zu verletzen? Wie führt man ein schwieriges Gespräch? Wie geht man mit Gefühlen um? Diese und andere Fragen beantwortet George Pennington in dieser Serie. – Dabei zeigt sich, dass Psychologie durchaus praktische Anwendungen hat, die unsere Lebensqualität entscheidend verbessern können. Pennington, der Manager großer Unternehmen in persönlichen und sozialen Kompetenzen schult, präsentiert seine Themen auf eine klare und nachvollziehbare Art. Dabei vermittelt er keine Patentrezepte, sondern zeichnet Landkarten der Psyche, die bei der Orientierung im Alltag helfen und zum Nachdenken anregen.

George Pennington studierte Soziologie und Psychologie. Seit 1985 arbeitet er als selbstständiger Trainer und Coach in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Konfliktmanagement, persönliche und soziale Kompetenz, Stressmanagement, Kommunikations- und Beziehungstraining sowie Teamentwicklung. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zu den Themen Wahrnehmung und Bewusstsein.

  1. Wie funktioniert Mensch-sein
  2. Die Wahrnehmung
  3. Das Innehalten – Gewahr werden
  4. Das Unbewusste – kreative Möglichkeiten
  5. Das Unbewusste – Altlasten
  6. Was sind Emotionen
  7. Unser Umgang mit Emotionen
  8. Innere Ökologie – Gesunder Umgang mit Idealen
  9. Drei Arten von Motivation
  10. Körperliches Wohlsein als innere Mitte
  11. Die drei Alternativen im Umgang mit unserem Umfeld
  12. Gespräch – Verwaltung des inneren Raums
  13. Unser Umgang mit anderen

Wer nicht warten oder sich die Nacht nicht um die Ohren schlagen möchte, weil der die Serie nicht aufnehmen kann, kann sie hier bestellen:

 

TV-Tipp: Menschen unter uns – Rendezvous auf dem Friedhof

Ein Friedhof ist nicht für die Toten, sondern für die Lebenden. Natürlich spielen die unter der Erde irgendwie auch eine Rolle, aber das Leben findet nun mal oberirdisch statt – und von diesem Leben erzählen die Geschichten, die die Autoren Ina Reuter und Marko Rösseler auf dem Kölner Südfriedhof gesammelt haben.

Dieser Zweiteiler wird am Sonntag, 26. Juni 2016 um 8.15 Uhr (Teil 1) und am Sonntag, 3. Juli 2016 (Teil 2) vom SWR wiederholt.

Wer nicht bis dahin warten möchte, kann die beiden Teile in der Mediathek bis zum 1. November 2016 sehen. Hier geht es zum Beitrag.

„Das Zimmer meines Bruders“ – wenn Geschwister trauern

Heute Abend, 37 Grad, ZDF um 22.15 Uhr:  Danach ist es für eine Woche in der Mediathek zu sehen.

Die Beziehung von Geschwistern ist meist innig und vertraut und bleibt ein ganzes Leben bestehen. Umso schlimmer, wenn der Bruder oder die Schwester stirbt. Wie lässt sich das verkraften? Wenn ein Kind stirbt, gelten Aufmerksamkeit und Anteilnahme der anderen meist nur den Eltern. So groß ist ihr Verlust, so unermesslich ihr Schmerz, dass die große Trauer und Verzweiflung der Geschwister oft übersehen wird.